Schmerzen
Schmerzen physiologisch und aus Sicht der Chinesischen Medizin
Schmerz ist primär ein Signal des Körpers, das uns vor einem Schaden warnt.
Mit Ausnahme des Gehirns und der Leber besitzen alle Gewebe des Körpers Nervenzellen, die Schmerz übermitteln können (Nozisensoren). Diese Sensoren lassen bei anhaltendem Schmerz nicht nach Schmerz zu vermitteln, im Gegenteil; bei einer Sensibilisierung sinkt sogar ihre Reizschwelle.
Nozisensoren können sowohl auf mechanische und chemische als auch auf starke Hitze- oder Kältereize reagieren. Sie besitzen nicht nur Rezeptoren für Stoffe, die Ihre Erregung fördern sondern auch für solche, die Ihre Erregung hemmen können (z.B. Endorphine).
Wenn schmerzvermittelnde Nervenfasern geschädigt werden, wird der dadurch ausgelöste Schmerz in der Regel so empfunden, als käme er aus der Peripherie. So kann z.B. eine Verspannung, die auf die Nerven im Bereich der Halswirbel drückt Schmerzen verursachen, die bis in die Finger ausstrahlen.
Ein anderer Fall, in dem Schmerzen häufig an einer anderen Stelle als der geschädigten empfunden werden, ist die Schädigung innerer Organe. Da die Nozisensoren der Haut und die der Inneren Organe Ihre Signale häufig an dieselben Neurone weiterleiten wird z.B. ein Herzinfarkt häufig als Schmerz im Oberbauch oder im linken Arm empfunden.
Ein Schmerz führt nicht nur dazu, dass wir uns des Ortes und der Art der Schädigung bewusst werden. Er löst daneben auch Reaktionen, Reflexe oder Schonhaltungen aus, führt zu vegetativen Veränderungen wie Schweißausbrüchen oder beschleunigtem Herzschlag und zu affektiven Reaktionen wie depressiven Verstimmungen.
Aus Sicht der Chinesischen Medizin
... ist ein Schmerz die rote Fahne, die uns vor stagnierendem Qi oder Blut warnt. Stagnation steht für verminderte Bewegung in oder zwischen bestimmten Meridianen, Organen oder Teilen des Körpers. Sie geht mit Blockaden oder Obstruktionen des Qi-Flusses einher. Das bedeutet: Der natürliche Energie-Fluss ist unterbrochen, der Körper kämpft darum, die energetische Engstelle wieder durchlässig zu machen. Dieser Kampf tritt als Schmerz ins Bewusstsein.
Zur Entstehung von Schmerzsyndromen:
Wenn bestimmte gefühlsmäßige Reaktionen zur Wahrung der persönlichen Integrität unterdrückt werden müssen, so geschieht das durch Blockierung der entsprechenden Ausdrucksbewegung mit Hilfe muskulärer Anspannung. Besteht so eine Anspannung dauerhaft z.B. dadurch , dass bestimmte Impulse immer wieder unterdrückt werden müssen, wird der Qi-Fluss gestört und es können muskuläre Verhärtungen auftreten, die funktionell mit seelischen Abwehrmechanismen korrespondieren.
Derartige chronische Spannungszustände sind zwar oft das Ergebnis schmerzhafter Erfahrungen in der Vergangenheit, werden aber in der Gegenwart als Teil des Charakter einerer Person und damit zunächst nicht als schmerzhaft erlebt. Sie führen allerdings zu einer eingeschränkten Adaptionsfähigkeit bei Einwirkung belastender Einflüsse auf den menschlichen Körper, wie auch die korrespondierenden psychischen Verhärtungen eine mangelnde Flexibilität und Erlebnisfähigkeit im zwischenmenschlichen Bereich zur Folge haben.
Auf der körperlichen Ebene führen dann längerdauernde oder ungewohnte Belastungen der chronisch verspannten Muskulatur rasch zu hartnäckigen Schmerzzuständen.
Die Behandlung von Schmerzen, denen eine muskuläre Verspannung zugrundeliegt kann aus dieser Sicht nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn die Verdrängung der korrespondierenden Gefühle berücksichtigt wird. Diese werden nämlich bei der Lösung z.B. durch Akupunktur oder Akupressur, oft mobilisiert.