Nikotinentwöhnung

 

Die unterstützende Therapie lindert vor allem Entzugssymptome wie Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Gewichtszunahme oder kompensatorische „Fressattacken„.

Nikotin wird als abhängigkeitserzeugende Substanz im Tabak angesehen. Tatsächlich befinden sich in den meisten Tabak- und Zigarettensorten zahlreiche weitere suchterzeugende Substanzen. Nikotin ist ein Alkaloid und hat als solches vor allem Wirkungen auf unser Nervensystem. Es bewirkt im Gehirn eine Ausschüttung von Dopamin, einem „Belohnungshormon“.
Nikotin stimuliert das ZNS, führt zu einer Steigerung der Herzfrequenz, einer Erhöhung des Blutdrucks und fördert die Motilität des Gastrointestinaltraktes. 
Früher wurde Tabak zu medizinischen Zwecken eingesetzt; zur Beruhigung und als harntreibendes Mittel aber auch als Emetikum (Brechmittel). 
Heute wird der Tabak vor allem wegen seiner gleichzeitig entspannenden und anregenden Wirkung geschätzt. Rauchen erhöht kurzfristig die Konzentrationsfähigkeit, fördert die Stresstoleranz und senkt das Hungergefühl.
Wie bei vielen Drogen entsteht auch hier ein Gewöhnungseffekt: die Rezeptoren für Nikotin werden vermehrt exprimiert, so dass mehr Nikotin benötigt wird, um Entzugssymptome zu vermeiden.

Was passiert beim Nikotinentzug?

Bei Rauchern setzen die körperlichen Entzugssymptome schon recht bald nach der letzten Zigarette ein und erreichen nach ca. 2 Tagen ihr Maximum, wenn das meiste Nikotin im Körper abgebaut ist. Mögliche Entzugserscheinungen sind: Reizbarkeit bis hin zu Aggressivität, Unruhe, vermehrter Appetit, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen.
Ab dem dritten Tag klingen die körperlichen Entzugssymptome langsam wieder ab und ab dem 7.-10. Tag sind sie deutlich abgemildert. Im Unterschied dazu sind die psychischen Abhängigkeitssymptome zeitlich nicht so leicht einzugrenzen.

Während sich der Nikotinverzicht subjektiv oft nicht so gut anfühlt stellen sich gleichzeitig viele positive Veränderungen im Organismus ein:
20 Minuten nach der letzten Zigarette sinken Puls und Blutdruck wieder auf normale Werte.
Nach 12 Stunden steigen die Sauerstoffwerte im Blut wieder auf normale Werte. Dadurch werden alle Organe besser mit Sauerstoff versorgt, was zu einer Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit beiträgt.
Nach einigen Wochen schon verbessert sich zudem die Lungenfunktion. Die Selbstreinigung der Atemwege verbessert sich und innerhalb des ersten Jahres gehen Raucherhusten, Sinusitis und Infektanfälligkeit zurück. Nach einem Jahr ist das Risiko für koronare Herzkrankheite (KHK) und Herzinfarkte nur noch halb so groß wie bei einem Raucher.

Rauchen aus Sicht der Chinesischen Medizin

„Mäßiges Rauchen bewegt das Lungenqi“

Die Lunge wird im Rahmen der Chinesischen Medizin zusammen mit dem Dickdarm dem Metallelement zugeordnet. Das dazugehörige „Gewebe“ ist die Haut (eigentlich auch ein Organ).

Über die Lunge stehen wir in ständigem Austausch mit unserer Umwelt; die Luft, die wir atmen, verbindet uns mit dem Raum und mit anderen. Insofern fungiert die Lunge auch als Kontaktorgan.
Auf der psychisch emotionalen Ebene hat auch Rauchen häufig mit kontakt-assoziierten Themen zu tun, mit Nähe und Distanz. Gerade wenn es nicht so einfach ist, die nötige Distanz, den nötigen Raum zu schaffen, den man oder frau eigentlich bräuchte, kann das Rauchen diesen Mangel z.T. kompensieren; man oder frau geht raus um eine zu rauchen und sich evtl. auch emotional zu lösen. Nicht selten fangen Jugendliche mit dem Rauchen an, wenn sie sich eigentlich mehr Freiheit und emotionale Abnabelung wünschen.
Nicht nur mangelnde Freiheit und Distanz sondern auch zuviel empfundene Distanz kann eine Rolle spielen beim Rauchen: viele Gesellschaftsraucher, die alleine nicht rauchen, schätzen vor allem den verbindenden Aspekt des gemeinsamen Rauchens.

Ein weiterer Aspekt, der mit der Lungenfunktion, dem Austausch verbunden ist, ist Einatmen und Ausatmen bzw. Annehmen und Loslassen. Wenn es uns schwer fällt loszulassen oder zu akzeptieren was ist (z.B. unverarbeitete Trauer) kann es zur Stagnation von Lungen-Qi kommen und Rauchen kann dann ein wenig helfen, diese Stagnation zu lösen.

Nikotinentwöhnung

Bei der Suchtentwöhnung werden neben der klassischen Akupunktur, bei der die Nadeln für 20-30 Minuten im Körper verweilen, auf Wunsch auch Dauernadeln nach dem NADA-Protokoll eingesetzt. Diese können bis zu 5 Tage getragen werden und bei Bedarf stimuliert werden. Unterstützend können zusätzlich Komplexmittel gegeben werden.

Entzugsymptome wie Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Gewichtszunahme oder kompensatorische „Fressattacken“ werden durch diese Therapie gut aufgefangen.

Je nach Rauchgewohnheiten beginnt die Behandlung mit 1 bis 3 Sitzungen pro Woche. Bei starken Rauchern empfiehlt sich in den ersten Tagen sogar eine tägliche Akupunkturbehandlung. Sie wird dann in größer werdenden Zeitabständen fortgesetzt, bis kein Bedürfnis nach Nikotin mehr besteht. Meist dauert es 1-2 Monate bis der Nikotinverzicht dem Patienten leicht fällt.