Verbrennungen

Definition:
Verbrennungen sind Schädigungen der Haut und gegebenenfalls darunter liegender Schichten durch Hitzeeinwirkung.

Pathophysiologie:
Das Ausmaß einer Verbrennung wird durch die Temperatur und die Dauer der Hitzeeinwirkung bedingt.
Bei Temperaturen um 45°C entstehen meist nur Rötungen (Erytheme), ab 55°C zusätzlich Blasen.
Bei Temperaturen über 60°C kann es zu Proteindenaturierungen und Gewebsnekrosen kommen.

Einteilung:

Die Schwere der Verbrennung und damit die Auswirkung auf den Organismus kann anhand der Tiefe (Verbrennung 1.-4. Grades) und der Oberflächenausdehnung abgeschätzt werden.
1. Verbrennungen ersten Grades betreffen nur die Epidermis, führen zu Erythem und Ödem und heilen wieder vollständig ab.
2. Verbrennungen vom Grade IIa betreffen die obere Dermis, führen zu Blasenbildung, Erythem und Schmerzen und heilen ebenfalls vollständig wieder ab. Beim Grad IIa ist der Untergrund der Blasen rot und die Schmerzen sehr stark.
Beim Grad IIb ist der Untergrund der Blasen hell und die Schmerzen sind eher mäßig.
Verbrennungen vom Grade IIb unterscheiden sich von Verbrennungen des Grades IIa dadurch, dass die Schädigung hierbei bis zur tiefen Dermis reicht es zur Abheilung unter Narbenbildung kommt.
3. Verbrennungen dritten Grades reichen bis in die Subcutis. Hierbei kommt es zu Nekrosen, Schorfbildung und Schmerzlosigkeit. Sie verheilen unter Narben- bzw. Kelloidbildung.
4. Verbrennungen vierten Grades sind Verkohlungen bis aufs Knochen bzw. Muskelgewebe. Sie gehen ebenfalls mit Schmerzlosigkeit einher und erfordern in der Regel eine Amputation.

Verbrennungsschock und Verbrennungskrankheit:

Klinisch wird ein Verbrennungsschock (Frühphase) von einer Verbrennungskrankheit (Spätphase) unterschieden.
In der Frühphase einer Verbrennung von mehr als 10% der Körperoberfläche kommt es zum Verbrennungsschock; hierbei werden durch die thermische Schädigung vasoaktive Mediatoren (Histamine, Kinine, Prostaglandine) freigesetzt sowie Kapillaren geschädigt. Es kommt zu einer gesteigerten Kapillarpermeabilität mit Verlust von Wasser, Elektrolyten und Proteinen. Die Kombination von Volumenverlust, relativem Volumenmangel, Gewebeazidose und Mikrozirkulationsstörungen führt dann zum Schock.

Die größere Gefahr für den Betroffenen birgt die Verbrennungskrankheit, die meist am 2.-3. Tag nach dem Unfall auftritt und durch generalisierte Organdysfunktionen und septische Komplikationen gekennzeichnet ist.

Therapie:
Bei Verbrennungen ersten Grades ist meist eine lokale Kühlung ausreichend. Äußerlich können Aloe-Vera, Silbersulfadiazin-Creme oder Hydrosomale Wundgele angewendet werden, nach wenigen Tagen  auch Hautpflegesalben wie Bepanthen.
Eine Sonnenexposition sollte für mehrere Wochen vermieden werden.

Verbrennungen zweiten Grades gehen mit einer Blasenbildung einher.
Bei Verbrennungen vom Grad IIa werden die Blasen punktiert, die Blasenhaut jedoch nicht abgetragen. Die weitere Behandlung ist die gleiche wie bei Verbrennungen ersten Grades; Aloe Vera, Silbersulfadiazin-creme oder hydrosomale Wundgele, lokale Hautpflegesalbe und Vermeidung einer Sonnenexposition.

Verbrennungen vom Grad IIb sollten möglichst frühzeitig operativ versorgt werden. Die Wunden sollte mit Bürsten, sterilen Kanülen oder Pinzetten am Unfalltag gesäubert werden und es sollte früh eine Exzision erfolgen also eine Nekrotomie und Wunddebridement ab dem 3. posttraumatischen Tag.
Bei kleinflächigen Arealen empfiehlt sich neben der Nekrotomie eine autologe Spalthauttransplantation bei großflächigen Arealen (>10%) ist ein zweizeitiges Vorgehen indiziert. Die temporäre Weichteildeckung erfolgt um einen massiven Eiweiß- Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust zu verhindern sowie zum Schutz vor bakteriellen Infektionen und zur Konditionierung des Wundbetts.

Bei Verbrennungen dritten Grades ist ebenfalls eine möglichst frühzeitige operative Versorgung angezeigt. Die Therapie entspricht der von Verbrennungen des Grades IIb.

Verbrennungen vierten Grades können mit einer Zerstörung von Unterhautfettgewebe, Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenken einhergehen. In der Regel ist ein Extremitätenerhalt nicht möglich sondern eine offene Randzonenamputation erforderlich.

Erste Hilfe Maßnahmen:
– Beseitigung der Hitzequelle bzw. Ausschaltung des schädigenden Agens
– Entfernung der heißen Kleider
– Prüfung der Vitalfuntkionen
Zur Linderung der Schmerzen ist in den ersten 20-30 Minuten eine vorsichtige Kühlung möglich. Es sollten jedoch keine coolpacks oder Eis verwendet werden und bei großflächigeren Verbrennungen besteht die Gefahr der Unterkühlung.
Bei leichteren Verbrennungen kann die Wundheilung durch eine entgegengesetzte Maßnahme unterstützt werden nämlich durch warmes Wasser. Dies ist anfangs oft schmerzhaft führt danach jedoch meist zur raschen Schmerzlinderung.

Eine Verlegung in ein Brandverletztenzentrum ist in allen Fällen von Verbrennungen an Kopf und Hals, an Händen, Füßen, Anogenitalregion, Achselhöhlen, Bereichen über großen Gelenken oder sonstigen komplizierten Lokalisationen indiziert.
Ebenso bei Verbrennungen 2. Grades , die mehr als 15% der Körperoberfläche betreffen oder Verbrennungen 3. Grades, die mehr als 10% der Körperoberfläche betreffen.
Kinder unter 8 Jahren sollten bei Verbrennungen grundsätzlich in ein Brandverletztenzentrum verlegt werden,
ebenso alle Patienten mit chemischen Verbrennungen, Stromschädigungen oder begleitendem Inhalationstrauma.

naturheilkundliche Therapiemöglichkeiten:
Verbrennungen ersten und zweiten Grades lassen sich mit Johanniskrautöl unterstützend behandeln.
Ein bewährtes homöopathisches Mittel zur Unterstützung der Selbstheilungskräfte nach Verbrennungen gleich welchen Grades ist Cantharis.

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